04.04.2026 –, Test Chamber 01
Vier Amateurfunk-Kurzwellensignale. Laut Ankündigung müssten sie da sein, aber zu hören ist: Nichts. Nur Rauschen. Trotzdem schaffe ich, von dreien dieser vier Signale die Frequenz auf ein Hz genau zu bestimmen! Ein persönlicher Bericht von einem Nerdvergnügen und nebenbei eine von vielen möglichen Antworten auf: "Was machen diese Funkamateure eigentlich so?"
Zweimal im Jahr veranstalten Funkamateure in den USA eine Ostereiersuche der besonderen Art: Den Frequency Measurement Test. Auf vorher nur ungefähr bekannten Frequenzen im Kurzwellenbereich bei 3,5 und 7 MHz senden sie insgesamt vier Signale. Jedes dieser Signale stellt ein Osterei dar: Gefunden hat es, wer die Frequenz auf ein Hz genau misst.
Diese Ostereiersuche zielt also auf eine Messgenauigkeit bei 10⁻⁷. Das ist ungefähr um einen Faktor 20 besser als alles, was auf Kurzwelle im normalen Amateurfunk jemals gebraucht wird. (Eine Uhr mit Genauigkeit 10⁻⁷ würde im Jahr etwa 3 Sekunden falsch gehen.) Aber Ostereiersuche dient schließlich nicht dem Nahrungserwerb, sondern soll Spaß machen! So etwa 60-100 Verrückte folgen normalerweise der Einladung und suchen mit.
Einige nutzten cooles Zeug wie GPS-stabilisierte Oszillatoren oder Rubidium-Frequenznormale. Ich trat als "Underdog" an mit sowieso vorhandenen Bordmitteln: Brauchbares Funkgerät, mäßige Antenne, Laptop - und, als mein Ass im Ärmel: FLOSS!
Als die Ostereiersuchzeit kam, war die Enttäuschung groß: Es herrschte gerade schlechtes "Funkwetter", zu hören war nur Rauschen. Aber aus Aufnahmen des Rauschens (Sounddateien) konnte passende Software die Signale dann doch noch herausfischen. Schlussendlich hatte ich drei der vier Ostereier gefunden und war glücklich wie ein Osterhase!
Und es wurde noch besser: Neuerdings gibt es neben den etablierten Eiern aus den USA auch neue aus Polen, die gesucht werden können, zur Zeit einmal im Monat. Hier sollen einerseits auch Frequenzen gemessen werden, aber obendrein auch die Dauer von Impulsen und sogar (möglichst millisekundengenaue) Zeitstempel. Die Signalstärke war besser, die Sendung aus dem Lautsprecher klar hörbar. Die Sache mit der Impulslänge und den Zeitstempeln erforderte deutlich mehr Aufwand an Software, aber nun hatte mich das Suchfieber gepackt! Buchstäblich Minuten vor dem Abgabetermin hatte ich die drei Eier zusammen und diesmal waren alle richtig gefunden 😁!
Der Vortrag ist eine sehr persönliche Schilderung einer verrückt-nerdigen Aktion. Funk-KnowHow wird nicht vorausgesetzt; das Wenige, das gebraucht wird, wird erklärt. Neugier genügt!
- Funkamateur seit 2001
- Hansdampf in vielen Gassen
- als Funkamateur kleine Erfolge trotz beschränkter Möglichkeiten in der Großstadt-Mietwohnung
- früher Softwareentwickler, inzwischen Rentner
- schreibt auf seiner Homepage und im Fediverse.
- Frontperson, Mitgründer und Webmaster des AfuBarcamps
- Hat noch mehr Antworten darauf, was Funkamateure eigentlich so machen.